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PRESSEMITTEILUNG
Deutsche Kautschukindustrie: Verhaltenes Reifengeschäft – Ausland trägt positive Konjunktur technischer Produkte

Im ersten Halbjahr 2018 hat die deutsche Kautschukindustrie einen Umsatzrückgang von 0,7 Prozent auf knapp sechs Milliarden Euro hinnehmen müssen. Bedingt durch eine rückläufige Fahrzeugproduktion in Deutschland lag insbesondere der Umsatz der Reifenindustrie mit den deutschen Fahrzeugherstellern (Erstausrüstung) deutlich unter den Vorjahreszahlen. Bei den technischen Elastomer-Produkten (TEE und TPE) hielt die gute Vorjahreskonjunktur nach Angaben des Wirtschaftsverbands der deutschen Kautschukindustrie (wdk) dagegen an.

Hier profitierten die Unternehmen insbesondere von Aufträgen aus dem Ausland, erläuterte wdk-Chefvolkswirt Michael Berthel. „Im Inland verhalfen vor allem die steigenden Produktionsumfänge im Maschinenbau, der Elektrotechnik und dem Baugewerbe zu einem Umsatzplus bei Technischen Elastomer-Erzeugnissen. Allerdings hinterließ die rückläufige Fahrzeugproduktion auch Bremsspuren beim automotiven Zuliefergeschäft.“

Im Reifen-Ersatzgeschäft mit Endverbrauchern lagen sowohl die Stückzahlen als auch die Umsätze zur Jahresmitte unter dem Vorjahr. Bemerkbar machten sich in diesem Bereich der zeitlich verzögerte Start der Umrüstsaison und der Trend zu Ganzjahresreifen, der die bislang üblichen saisonalen Spitzen entzerrte. Im gesamten Reifengeschäft betrug der Umsatzrückgang unter dem Strich 5,7 Prozent (auf knapp 2,5 Milliarden Euro). Zwar habe im Reifensektor zuletzt ein leichter Aufholprozess eingesetzt, dennoch dürfte bis Ende 2018 keine vollständige Kompensation im Vergleich zu den Vorjahreszahlen mehr möglich sein, schätzte Berthel.

Die mittelständischen Betriebe der deutschen Kautschukindustrie stießen, so der wdk-Konjunkturexperte, insbesondere im Inland verstärkt an Kapazitätsgrenzen. Dies betreffe vor allem die Verfügbarkeit von Arbeitskräften. „Man muss leider feststellen: Die nachlassende internationale Wettbewerbsfähigkeit durch teure Energie und deutlich gestiegene Personalkosten schränken lohnende inländische Investitionen ein. So ist die Reifenfertigung in Deutschland bereits durch eine Werksschließung im vergangenen Jahr deutlich geschrumpft.“ Dadurch steige zwar die effektive Kapazitätsauslastung, Produktion und Beschäftigung gäben aber im Vergleich zu 2017 spürbar nach.

Mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf zeigte sich wdk-Chefvolkswirt Berthel vorsichtig: „Es ist zu befürchten, dass sich die aktuell starke Auslandsnachfrage angesichts der zugespitzten internationalen Handelsbeziehungen, der Auswirkungen des Brexits und der Schwäche einiger wichtiger Handelspartner wie der Türkei deutlich abschwächt. Der Umsatzzuwachs bei TEE und TPE dürfte daher bis Jahresende unter die derzeitige Marke von plus drei Prozent rutschen.“ Insgesamt sei für 2018 in der deutschen Kautschukindustrie nur noch ein kleines Umsatzplus zu erwarten.

Anlässlich der Vorstellung der Halbjahreszahlen verlangte der Präsident des wdk, Dr. Ralf Holschumacher, von der Bundesregierung eine aktivere Industriepolitik. „Die Entwicklung bei den Unternehmen der deutschen Kautschukindustrie zeigt deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen verschlechtert haben. Angesichts steigender Energiekosten und zunehmender Regulierung – wie etwa im Bereich der Kreislaufwirtschaft – ist ein Kurswechsel dringend erforderlich. Aktivität bei Belastungen und Passivität bei Entlastungen der Unternehmen darf nicht Kennzeichen der Wirtschaftspolitik bleiben“, erklärte Dr. Holschumacher. Die Entwicklung von Produktion und Beschäftigung seien wichtige Indikatoren für die Leistungsfähigkeit von Standorten. Deshalb sei es ein ernstzunehmendes Warnsignal, wenn diese stagnierten.

Der wdk-Präsident verwies auf die elementare Bedeutung der Wirtschaft für den deutschen Wohlstand. „Die soziale Marktwirtschaft ist ein zentraler Stützpfeiler unseres Staatswesens. Dieser gesellschaftliche Grundkonsens darf nicht erodieren. Vielmehr ist es auch Aufgabe der Bundesregierung deutlich zu machen, dass ein leistungsfähiger Staat auf eine leistungsfähige Wirtschaft angewiesen ist. Wer die Unternehmen stärkt, stärkt letztlich die Demokratie in unserem Land.“