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PRESSEMITTEILUNG
wdk-Herbsttagung 2018 im Zeichen der Systemrelevanz der Kautschukindustrie für den Wirtschaftsstandort Deutschland

Die Systemrelevanz und die Rohstoffabhängigkeit der deutschen Kautschukindustrie standen im Mittelpunkt der diesjährigen wdk-Herbsttagung am 23. Oktober in Frankfurt am Main. Dabei betonte der Vize-Präsident des Wirtschaftsverbands der deutschen Kautschukindustrie, Jörg Burfien, die hohe Bedeutung von Gummi für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Elastomerprodukte steckten nicht nur in Reifen, Schläuchen oder Dichtungen von Fahrzeugen, sondern seien auch wichtige Bestandteile von Straßen und Brücken, von Maschinen oder sonstigen Produktionseinrichtungen. Gleichzeitig, so Burfien, sei die deutsche Kautschukindustrie auch stark von importierten Rohstoffen abhängig.

Einen Überblick über die Entwicklung auf den Rohstoffmärkten gab Michael Berthel, der Chefvolkswirt des Verbands. Bei den Technischen Elastomer-Produkten (TEE) lägen die bisherigen Umsätze permanent über denen des Vorjahres. Ein starkes Exportgeschäft habe zu einem Plus von drei Prozent gegenüber 2017 in den ersten acht Monaten geführt. Da seit September 2018 aber kein Zuwachs mehr zu erwarten sei, dürfte nach seiner Einschätzung das Gesamtjahres-Plus bei etwa 1,5 Prozent liegen. Anders stellt sich Berthel zufolge die Lage auf dem Reifenmarkt dar. Dieser sei durch eine verschobene Saisonalität der Umrüstung, einen Trend zu Ganzjahresreifen, einen Verdrängungswettbewerb in einem gesättigten Markt sowie einen hohen Importdruck gekennzeichnet. Nach einem Umsatzrückgang von sieben Prozent im bisherigen Jahresverlauf sei hier durch das Wintergeschäft im letzten Jahresdrittel ein Minus von zwei Prozent für das Gesamtjahr zu erwarten. Für 2018 erwartet der wdk-Chefvolkswirt für die gesamte deutsche Kautschukindustrie ein minimales Umsatzplus von 0,1 Prozent auf 11,75 Milliarden Euro und für 2019 Stagnation.

Der Leiter des wdk-Hauptstadtbüros, Christoph Sokolowski, erläuterte die Hintergründe der Forderung des Verbandes nach einem Bundesbeauftragten für Rohstoffe. Angesichts zersplitterter staatlicher Zuständigkeiten für den Rohstoffbereich wäre ein zentraler Ansprechpartner im Bundeswirtschaftsministerium auf Staatssekretärsebene nicht nur für die deutsche Kautschukindustrie ausgesprochen hilfreich. Für diesen Vorstoß hat der wdk bereits Unterstützung durch weitere Verbände erhalten. Gleichzeitig schilderte Sokolowski die Positionierung der deutschen Kautschukindustrie als mittelständische Referenzbranche. Sowohl quantitativ als auch qualitativ sei sie typisch für den deutschen Mittelstand und daher Gradmesser für alle anderen mittelständischen Branchen etwa in Hinblick auf positive oder negative Auswirkungen von Gesetzgebungsvorhaben.

Dr. Philipp Kinzler (Deloitte) beleuchtete auf der wdk-Herbsttagung die automobile Wertschöpfungskette im Umbruch. Auf Szenario-Analysen basierende Strategien zur Unternehmensausrichtung seien für den anstehenden Transformationsprozess zwingend notwendig.

Den globalen Rohstoffmärkten widmete sich Remko Koster (IHS Markit). Er ging grundsätzlich davon aus, dass sich die petrochemischen Feedstock-Preise in den kommenden Jahren weniger volatil zeigen werden als in der Vergangenheit.

Auf die Verfügbarkeit und die Preisentwicklung von Naturkautschuk konzentrierte sich Hidde Smit, früherer Generalsekretär der International Rubber Study Group (IRSG). Er verwies auf große Neuanpflanzungen in den Jahren von 2005 bis 2013, die zur Folge hätten, dass es in den nächsten Jahren zu einem Produktions-Überhang kommen werde, der seine Spitze 2022/2023 erreichen werde. Gleichzeitig prognostizierte Smit ein Ansteigen des weltweiten Naturkautschukverbrauchs von jährlich 500 000 Tonnen in den kommenden Jahrzehnten. Die langfristige Verfügbarkeit von Naturkautschuk hänge zu einem großen Maß von Anpflanzungen in den kommenden fünf bis zehn Jahren ab. Daher sei es nicht ausgeschlossen, dass sich der Überschuss in einen Mangel verwandeln könne.

Professor Dr. Ulrich Giese vom Deutschen Institut für Kautschuktechnologie (DIK) skizzierte technologische Alternativen in Zeiten der Rohstoffverknappung. Dabei widmete er sich Kautschukspezialitäten wie Fluorkautschuken und Spezialkautschuken wie Polychloropren und schilderte mögliche Alternativen. Sein Fazit: Auch wenn es Substitutionsmöglichkeiten gäbe, seien neben der Kostenfrage in der Regel technische Einschränkungen und ein steigender Aufwand beim Compounding notwendig.