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PRESSEMITTEILUNG
Russland-Ukraine-Konflikt: Versorgungslage deutscher Kautschukunternehmen spitzt sich zu - Automobilzulieferer besonders getroffen

Der Überfall Russlands auf die Ukraine hat nach knapp drei Wochen massive Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Auch auf die Unternehmen der Kautschukindustrie, also die Hersteller von Produkten aus Gummi, darunter Reifen, Schläuche, Dichtungen oder Gesundheitsschutzprodukte. „Ruß ist für unsere Produktion ein unverzichtbarer Stoff und kommt bisher zu über einem Drittel aus Russland“, erläutert Boris Engelhardt, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie (wdk) in Frankfurt am Main. „Russische Lieferungen fallen aus und die europäischen Kapazitäten reichen nicht aus, den Bedarf zu decken. Die europäischen Ruß-Produktionen werden darüber hinaus wesentlich mit russischem Gas gespeist, so dass sich eine doppelte Gefährdungslage ergibt.“

Der Einkauf von Ruß und anderen wegfallenden Roh- und Hilfsstoffen außerhalb Europas scheitere an der Kurzfristigkeit, vor allem aber an parallel wegfallenden Transportkapazitäten und zusätzlich massiv steigenden Frachtraten. Hinzu kämen die explodierenden Energiepreise. Die rasanten Steigerungen der Produktionskosten könnten am Markt nicht mehr weitergegeben werden. In Italien und Frankreich hätten erste Kautschukunternehmen ihre Produktion daher kurzerhand eingestellt. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch in Deutschland Unternehmen die Reißleine ziehen müssten, so Engelhardt.

„Gerade die deutschen Automobilzulieferer sind massiv betroffen“, betont der wdk-Hauptgeschäftsführer. „Sie befinden sich noch im COVID-Krisenmodus, die 2021 bestellten Bauteile wurden von den Automobilkonzernen aufgrund von Stillständen nicht abgenommen. Dabei ist die Kapazitätsplanung völlig aus dem Ruder gelaufen. Und jetzt wiederholt und überlagert sich das Ganze durch die russische Kriegserklärung gegenüber der Ukraine.“

Waren es zuvor Halbleiter (Chips), die die Automobilproduktionen zum Stillstand brachten, so seien es jetzt Kabel aus der Ukraine, die zum plötzlichen Stopp führten. Gerade die Unberechenbarkeit im Umgang mit den neuen Stillständen gefährde akut die Existenz der Automobilzulieferer. „Der wdk hat daher bereits vor zwei Wochen an die Vorstandsvorsitzenden von Mercedes Benz, BMW, VW, Ford und Opel appelliert, ihre Krisenkommunikation gegenüber ihren Zulieferern anzupassen und den fairen Interessenausgleich zu suchen. In einer solchen Situation kann man nur im engen Dialog miteinander überleben“, so Engelhardt abschließend.