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PRESSEMITTEILUNG
Deutsche Kautschukindustrie 2018/2019: Schwaches zweites Halbjahr verstärkt Umsatzrückgang

Auf Licht folgte Schatten: Das zeigen die statistischen Eckdaten des Jahres 2018 für die deutsche Kautschukindustrie. Demnach war das vergangene Jahr insgesamt durch ein starkes 1. Halbjahr und von einer deutlich schwächeren Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte gekennzeichnet. Dabei entwickelten sich die einzelnen Produktsparten unterschiedlich. Während die Hersteller von non-automotiven technischen Gummiprodukten sowohl im In- als auch im Ausland Absatz und Umsatz steigern konnten, nahm der Absatz mit automotiven Anwendungen ab. Im Ergebnis sank der Branchenumsatz 2018 um 2,6% auf 11,44 Milliarden Euro.

Michael Berthel, Chefvolkswirt beim Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (wdk), führt dies auch auf WLTP (Worldwide harmonized Light Vehicles Test Procedure), ein weltweit einheitliches Messverfahren zur Bestimmung von Abgasemissionen und Spritverbrauch bei leichten Kfz, zurück. „Durch dessen Einführung sank ab der Jahresmitte die Fahrzeugproduktion in Deutschland spürbar und das trotz eines positiven Exportgeschäfts. Für die Automobilzulieferer der Branche lief deshalb das vergangene Jahr bezogen auf Absatz und Umsatz ungünstig.“

Insbesondere im Reifen-Erstausrüstungsgeschäft mit den deutschen Automobilherstellern sank der Stückabsatz bedingt durch die niedrigere Fahrzeugproduktion erheblich. Im gewichtigen Ersatzgeschäft mit Consumer-Reifen stagnierten die Stückzahlen. Auch der Export reduzierte sich wegen einer Werksschließung im süddeutschen Raum. Bei den Produktpreisen machten sich die sinkenden Naturkautschuk-Notierungen bemerkbar.

Positiv bewertet Berthel dagegen die Beschäftigtenentwicklung in der deutschen Kautschukindustrie. Hier konnten die Unternehmen trotz Umsatzrückgang die Zahl ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leicht ausweiten. „Gerade die mittelständischen Hersteller technischer Produkte halten traditionell ihre Mitarbeiter auch in schwierigeren Zeiten“, hebt der Konjunkturexperte des Verbandes hervor. Der Blick auf deutlich steigende Investitionen, bedingt durch die Veränderungen in der Automobilindustrie sowie getrieben von Anforderungen aus der Digitalisierung von Prozessen und Produkten und nicht zuletzt  deutlich erhöhten Zertifizierungsanforderungen – etwa bei Nachhaltigkeit oder bei IT-Sicherheit –, mache klar, wie wichtig qualifiziertes Personal sei. Außerdem seien viele ausgeschriebene Stellen noch vakant.

Mit wenigen Ausnahmen, wie beispielsweise Naturkautschuk, liegen laut Berthel die Rohstoffpreise aktuell höher als vor einem Jahr. Dazu kämen massive Verfügbarkeitsengpässe bei Silikon und angespannte Liefersituationen bei CR (Chloropren-Kautschuk) und FKM (Fluorkautschuk).

Für 2019 rechnet der wdk aufgrund des schwachen Vorjahres mit einem Umsatzplus von gut 2 % bei den Reifenherstellern. Die inländische Fahrzeugproduktion sollte sich nach Angaben des deutschen Automobilverbandes VDA wieder erholen. Der Reifenersatzmarkt dürfte zumindest stabil bleiben. Bei technischen Produkten hängt ebenfalls viel davon ab, wie sich die deutschen Automobilhersteller behaupten können. Aus heutiger Sicht ist daher auch für technische Produkte (automotive und non-automotive) in diesem Jahr ein leichtes Umsatzwachstum zu erwarten.